An der Kreuzung der Straßen Gnilna und Łagiewniki in der Altstadt, versteckt im Schatten des Hochhauses „Organiki” und hinter dem Einkaufszentrum „Madison“, befindet sich eine sehenswerte historische Kirche, eine der gotischen Hallenkirchen Danzigs. Die Rede ist von der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erbauten St. Bartholomäus-Kirche. Die Geschichte dieser Kirche reicht jedoch noch mehr als 100 Jahre weiter zurück, als das Errichtungsdatum des endgültigen Gebäudes vermuten lässt. Ursprünglich stand diese Kirche nämlich in der sog. „Jungstadt“ und diente als Pfarrkirche. Dieses Viertel der Kreuzritter befand sich auf dem heutigen Gelände der Danziger Schiffswerft. Die Jungstadt wurde von den Herrschern der Kreuzritter als Konkurrenz zur Rechtsstadt gegründet. Ganz nach dem Grundsatz „divide et impera“ (d. h. „teile und herrsche“) war es für die Anführer einfacher, kleinere und sich ausgleichende Städte zu kontrollieren, die durch den Konkurrenzkampf geschwächt und damit weniger selbstständig waren, und somit eine kleinere Gefahr für die Herrschaft der Kreuzritter darstellten. Die Kreuzritter hatten sich allerdings verrechnet, da die Rechtsstadt ihre Vormachtstellung letztendlich behaupten konnte und die Bürger die Kreuzritter im bewaffneten Kampf zu Beginn des Dreizehnjährigen Kriegs vertrieben. Nach diesem Ereignis wurde die Ordensburg abgerissen und mit ihr verschwand auch die konkurrierende Jungstadt von der Landkarte. Abgerissen, aber nicht vollständig dem Erdboden gleich gemacht. Die Bewohner wurden in die Altstadt umgesiedelt. Damit wurde auch die junge städtische Pfarrei und die St. Bartholomäus-Kirche verlegt, die an ihrem heutigen Standort errichtet wurde. Bei einem Shopping-Besuch in Danzig in der nahegelegenen Einkaufsgalerie lohnt es sich, sich einen Moment Zeit zu nehmen und die St. Bartholomäus-Kirche zu besuchen.