Sehenswert ist auch das purpurfarben verputzte Bürgerhaus an der Ecke der Straßen Mariacka und Mokra in Danzig. Es verfügt nämlich über einen ungewöhnlichen Giebel. Der Bau wurde ursprünglich im Jahr 1553 errichtet und ist ein einzigartiges Beispiel des Phänomens der Zwischenform in der Architektur: ein Zeichen für den Niedergang einer Epoche und der Geburt einer anderen. Die hervorstehenden vertikalen Lisenen, die den Giebel hochaufgeschossen wirken lassen, sind charakteristisch für die mittelalterliche Gotik. Die dekorativen Voluten mit Pflanzenornamenten, die den Giebel mit durchbrochenen Linien andeuten, sind wiederum typisch für die Renaissance und zeugen vom Anbeginn eines neuen Zeitalters. Abgesehen davon ist das Gebäude auch aufgrund der „bewegten Geschichte“ einen Blick wert. An der heutigen Stelle steht das Haus erst seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg. Bis 1945 hingegen befand es sich komplett woanders, nämlich einige hundert Meter entfernt in der Piwna-Straße, neben dem Haupteingang zur Marienkirche. Heute befindet sich dort ein nach dem polnischen Pfarrer Zator-Przytocki benannter Platz. Vor dem Krieg reichten die Frontfassaden der Häuser in der Piwna-Straße fast bis an die Kirchentüren, wodurch der Eingang zum Gotteshaus in einer engen Gasse lag. Deshalb entschied man sich beim Wiederaufbau der Stadt nach dem Krieg, einige der Gebäude nicht zu rekonstruieren, die ursprünglich der Kirche am nächsten auf dem damals angelegten Platz gestanden hatten, um das Kirchentor von der engen städtischen Bebauung etwas abzugrenzen. Die architektonische Gestalt dieses Bürgerhauses wurde allerdings als wertvoll angesehen, weshalb man sich für den Wiederaufbau an einem anderen Ort entschied – in der schönsten Danziger Straße, der Mariacka-Straße.
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